GASTBLOG

von Brunhild Griesner

In meiner Kindheit war alles noch ganz anders! Diesen Satz hab ich oft von älteren Leuten gehört und eigentlich stimmt das auch. Doch was wäre ein Leben ohne Veränderungen und ohne Weiterentwicklung? Eines ist sicher, in meiner Kindheit gab es noch Kühe mit Hörnern!

Die Sommerferien verbrachte ich meist auf dem Bauernhof meiner Tante im Lungau und ich war sehr stolz, als ich das Melken erlernte. Erst vorsichtig den Kübel unter den warmen Kuh Bauch gestellt, dann sanft an den „Tutt`n“ ziehen, fest zusammendrücken und die Milch spritzte in den Kübel. Auch als die Tante ein paar Tage auf die Alm musste, weil die Sennerin von einer Kuh mit den Hörnern gestoßen worden war, dachte niemand daran, der Kuh deshalb die Hörner abzuschneiden. Im Gegenteil, beim Almabtrieb war sie die Kranz Kuh, sie hatte den schönsten Schmuck, die größte Glocke und führte die Herde an. 

Dieses uralte Ritual geht zurück bis in die Jungsteinzeit, als unsere Vorfahren Almwirtschaft betrieben und mit dem Schmücken der Tiere am Ende des Almsommers, ihre Wertschätzung und ihren Dank für den Segen der Milchprodukte ausdrückten.

Hörner tragende Tiere wie Gämsen, Hirsche, Rinder und Ziegen galten in allen Kulturen als besonders kraftvoll und stark, sie wurden als heilige Tiere der Göttin verehrt. Hörner an Häusern und Stalltüren galten als Schutz- und Abwehrsymbole. Auf Felszeichnungen sind sie weltweit dargestellt. 

Schamanisch tätige Frauen und Männer malten ihre Bilder in finsteren Höhlen mit Ocker und Erdfarben rituell an die Wände um ihre Wiedergeburt von der Herrin der Tiere zu erbitten. In Ägypten trug die Göttin Isis eine Mondhörnerkrone, in Indien gilt die Kuh heute noch als heilig.  

In Österreich werden den jungen Kälbern die Hornansätze verätzt und so das Wachstum der Hörner unterbunden – warum? Im Gespräch mit Bäuerinnen und Bauern bekomme ich immer wieder dieselbe Antwort auf meine Frage: „Kühe mit Hörnern sind einfach zu gefährlich!“

Natürlich, in Zeiten der „Turbo Kuh“ müssen die Tiere maximale Milchleistung erbringen, die Menge des Kraftfutters  errechnet der Computer, frisches Heu ersetzt das Sauerkraut aus dem Plastikballen. Auch wenn die Kuh mehr „Gusto“ hätte und Stimmungsschwankungen an manchen Tagen, so wie auch wir manchmal ein größeres Eis oder mehr Schokolade naschen, nein, das ist nicht drin! Sie soll jeden Tag wie eine Maschine funktionieren, obwohl ihre Beine fast brechen, denn das Euter ist groß und schwer.

Für mich sehen Kühe ohne Hörner traurig aus, es fehlt ihnen ihre Ganzheit, es fehlen ihnen ihre Fühler zur Verbindung mit dem Kosmos. Sie haben ihre Würde verloren, sie sind unsere Nutztiere, ausgenützte Tiere. 

Hoffnung auf Veränderung geben sensible Konsumenten, die wieder Heu Milch verlangen und vor allem auch junge kritische Mütter, die für ihre Kinder das Beste suchen, nämlich natürliche, gesunde Lebensmittel. Dazu gehört auch Milch von der „Horn Kuh“, denn es ist längst bekannt, dass sich die Milchkristalle verändern, wenn Kühe keine Hörner mehr haben.

Meine Tochter, die Modeschöpferin Tracy Hauenschild verwendet in ihren kreativen Kombinationen bevorzugt das Motiv der Hörner tragenden Tiere. Sie dürfte intuitiv gespürt haben, dass sich die Menschen wieder nach kraftvollen Symbolen sehnen. Gewiss trägt auch ihr Logo bei Mirabell Plummer,  mit dem Hirschgeweih, entscheidend zum Erfolg ihres Unternehmens bei.  

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