Du spürst es in dir! Du möchtest die Welt mit DEINER, EINEN Idee verändern.

Unserer Gesellschaft etwas zurück geben, die dir soviel gibt und dich selbst damit bereichern.  Die Wellen der Ideen sind kaum zu bremsen und der Entschluss ist gefasst. 

„Ich designe meine eigene Kollektion“ und eröffne somit meine eigene Modefirma - oft auch der Weg in die Selbstständigkeit

Gut! Die Idee ist geboren, der Rucksack ist gefüllt mit Euphorie, Enthusiasmus, Inspiration und einer guten Portion Selbstvertrauen, dem Willen hart dafür zu arbeiten um etwas großes zu erschaffen. Sehr gut - denn dies sind die Grundvoraussetzungen deine Idee zum Erfolg zu führen!

Jetzt stellt nur noch die aufdringliche Frage: WO und vor allem WIE starte ich?

Im besten Fall hast du eine Ausbildung im Bereich Mode oder Produktdesign. Dies ist meine Meinung nach keine Grundvoraussetzung, allerdings sehr, sehr hilfreich, da du weißt wie ein Kleidungsstück oder Accessoires gefertigt, welche Bestandteile es benötigt und wieviel Arbeit hinter jeder Naht und Entwicklung steckt. Der Vorteil ist, dass du nicht für jeden kleinen Schritt jemanden fragen musst, der sich in diesen Bereichen auskennt. Dies kann auf die Dauer sehr zeitaufwändig, vor allem aber teuer werden.

Soweit. So gut. Dein erster Schritt sollte nun sein, deine Ideen zu Papier zu bringen. Je genauer du deine Idee definierst, desto besser für dich und alle Beteiligten, die du für Umsetzung deines Vorhaben benötigst.

Nimm dir Zeit für die folgenden drei essentiellen Fragen:

 

1. Wie sieht mein Produkt aus?

2. Welche Materialien benötige ich?

3. Wer produziert mein Produkt?

 

FRAGE 1 - Wie sieht mein Produkt aus?

 

Was möchtest du designen? Ein Kleidungsstück, ein Accessoires? Welche Farben, welche Formen, welchen Schnitt, ja vor allem welchen Schnitt möchtest du verwenden. Das Thema Schnitt liegt mir besonders am Herzen. Ganz schnell kann ein Modell gut aussehen, doch dann schlüpft der oder die Kundin in dein Kleidungsstück und spürt Wohlgefühl oder Beklemmung. Tatsächlich gibt es immer wieder Kleidungsstück, die sich sehr gut verkaufen mit super schlechten Schnitten. Dies ist dann aber wahrscheinlich auf ein extrem geniales Design zurück zu führen. Ist auch eine Möglichkeit. Schaffst du es aber Design und Schnitte zu perfektionieren, ist dies natürlich der Idealfall. 

Neben dem Schnitt, wie vorhin schon angesprochen, sind die Farben deiner Kollektion sehr wichtig. Ich halte absolut gar nichts davon, sich nur an „Modefarben“ zu orientieren.  Es gibt so ein breites Spektrum an wunderbaren Farben - wähle zu Beginn einfach mal die Farben, die dir richtig gut gefallen. Du wirst später noch merken, dass du höchst wahrscheinlich dein erster, eigener Werbeträger sein wirst. Eine grauenhafte Vorstellung, dann Farben zu tragen, die du nicht magst, oder die dir nicht stehen.

FRAGE 2  - Welche Materialien benötige ich?

Man könnte meinen, die Frage nach dem Material würde eigentlich die Art des Produktes schon beantworten. Dies ist meiner Meinung nach ganz und gar nicht so. Denn das Material bestimmt zu einem sehr großen Teil schon zu Beginn der Auswahl, die Preisgestaltung und vor allem die Qualität. 

Ich möchte euch hierzu ein Beispiel geben. Ihr entscheidet euch, einen Pullover aus Baumwolle auf den Markt zu bringen, mit eurem eigenen Design. Tja, was kann man denn bei Baumwolle schon falsch machen? SEHR VIEL. Die Qualität wie die Baumwolle angebaut wird entscheidet fast genau so viel, wie die Weiterverarbeitung. Kennt ihr das? Ihr kauf euch ein T-Shirt oder ein anderes Kleidungsstück aus Baumwolle. Mit voller Begeisterung steckt ihr es in die Waschmaschine, damit ihr es gleich morgen tragen könnt. Und dann nach dem Wasch - und Trocknungsvorgang die böse Überraschung. Der Stoff verzieht sich in alle Richtungen, der Saum dreht sich nach oben und ist mit dem Bügeleisen kaum glatt zu bekommen und im schlimmsten Fall ist das ganze T-Shirt auch noch einige Zentimeter kürzer als vorher. Hmmm - herzlich Willkommen in der Welt des Qualitätsmanagements.

Da ihr solche "Ärger- Momente" euren zukünftigen Kunden natürlich ersparen wollt, lege ich euch  ans Herz: Befasst euch mit eurem Grundmaterial, das ihr verwenden möchtet! Ach ihr seht schon, beim Material könnte ich alleine einige Seiten schreiben, da es sehr essentiell ist. Ich denke ich werde euch hierzu noch einen eignen Artikel verfassen. :-)

FRAGE 3- Wer produziert mein Produkt

Ihr seid in der glücklichen Lage und beherrscht die Hohe Kunst der Schneiderei? BINGO! Dann rann an die Nähmaschine und der erste Prototyp kann genäht werden. Da du mit deiner Kollektion natürlich den großen Durchbruch landen möchtest solltest du dir im Vorfeld überlegen, wer dir deine Modelle produziert. Dies ist mit unter auch eine der schwierigsten Fragen und richtet sich nach sehr vielen Faktoren. In den meisten Fällen ist es eine Budget- Frage. 

Es gibt folgende Möglichkeiten:

1. Ihr sucht euch Mitarbeiter, Schneiderinnen die eure Modelle für euch produzieren. Ich gebe zu Bedenken, dass sich der Kollektivlohn in Österreich für eine Schneiderin auf den ersten Blick gar nicht soviel anhört. Puhhh, aber dann kommen die ganzen Lohnnebenkosten auf euch zu. Auch dies ist ein Bereich, über den ich stundenlang schreiben könnte. Note to self: Artikel verfassen unter dem Titel: "Österreich, warum lässt du uns Jungunternehmer nicht leben?" oder "Vom motivierten Jungunternehmer zum großen und voll ausgeschöpften Dispo-Rahmen bei der Bank"

2. Ihr macht euch auf die Suche nach einer Produktion in Europa. Der Vorteil hier ist, dass die Produktionen oft schon Kleinmengen zwischen 20 und 50 Stück für euch fertigen. Allerdings - die Menge bestimmt den Preis. In vielen Produktionen laufen Mengen bis 50 Stück unter Kleinproduktionen und es gibt hohe Aufschläge. Der Vorteil ist, dass diese Produktionen für euch gut zu erreichen sind. Oft liegen sie so, dass ihr euch nur ein paar Stunden ins Auto setzten müsst und schon vor Ort seid. Dies ist super wichtig, denn auch hier gilt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

3. Als drittes gibt es auch noch die Möglichkeit sich eine Produktion in so genannten "Billig-Lohn-Ländern zu suchen. In diesem Fall sind 2 Dinge zu beachten. Die Mengen, die ihr bestellen müsst, sind meistens relativ hoch. Ihr solltet euch im klaren sein, ob ihr die bestellten Mengen finanzieren könnt und vor allem ob ihr die bestellten Mengen auch verkaufen könnt. Was aber noch viel wichtiger ist, ist der ethische Aspekt. Wenn ihr ein T-Shirt zum Preis von 2 Euro inklusive Material ordern könnt, liegt es auf der Hand, unter welchen Bedingungen dies hergestellt wurde. Mehr dazu lest ihr im August in meinem Artikel " 5 Euro T-Shirts - Fluch und Segen" Durch meine innere Überzeugung rate ich euch von der Variante 3 ab - doch dies muss jeder für sich selber entscheiden.

 

Wunderbar. Die Idee ist zu Papier gebracht, die Materialien und Zubehör sind bestimmt und die Frage der Produktion könnt ihr auch beantworten. Dann seid ihr eurem Traum schon zum Greifen nahe. Doch 2 wichtige Punkte sollte unbedingt noch bedacht werden.

Erstens zu welchem Verkaufspreis wollt ihr eure Erfindung verkaufen und zweitens, wo wollt ihr euer Produkt verkaufen?

Diese zwei wichtigen Fragen werde ich euch im Teil 2 meiner Reportage "JUNGDESIGNER - vom großen Traum zur eigenen Kollektion" beantworten. Ich freue mich auf euer Feedback!

Herzlichst, eure Tracy Hauenschild